Montag, 9. Juni 2008

Neue internationale Romantikwelle

Wenn der Himmel die Erde küsst und die Seele die Flügel spannt wird schnell erkenntlich, in welcher Epoche wir uns befinden. Die Romantik glänzt durch ihre „Gottgegebenheit“, ihr Vertrauen in den Menschen und dessen Wille, Gutes zu verrichten. Die Frage, die sich ergibt ist doch, ob wir, heute, in einer Zeit wie dieser sind. In der jedermann von sich denkt alles mit wenig Aufwand erreichen zu können, weil man harte Arbeit nicht durch die „Muse“ ersetzen kann. Weil die Muse gar das einzige ist, was zählt und unbedingter Erfolg formal ist, wenn man sich nur einmal anzustrengen gedenkt.
Der psychologische Hintergrund beider Epochen zumindest in Teilen ist vergleichbar. Denn wie uns zugetragen wird herrscht heutzutage Fachkräftemangel. Man will sich nicht mehr Spezialisieren. Mathematik ist eines der unbeliebtesten Fächer. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Aber die „Seele spannt[e] weit ihre Flügel aus“ und fliegt „nach Haus“ in die Ferne. Wenigstens das. Problematisch wird es, wenn die Seele mit dem restlichen Körper zusammen fliegt und aufgrund von Wartungspersonal, welches mehr auf seine Muse als auf harte Arbeit vertraut, ein Haus zum ungewollten Protagonisten des Flugs wird. Naturwissenschaften, waren sie nur Mittel zum Zweck? Ist das Interesse denn gänzlich verschwunden, zu begreifen, wie Dinge funktionieren? Scheinbar ist unsere Welt so komplex geworden, dass niemand sich mehr zutraut ein aktiver, verändernder Teil ihrer zu werden.
Ich schließe mich da keineswegs selber aus. Ich bin wohl einer der größten Verfechter des romantischen Denkens, des mit dem Herzen denkens. Und doch gibt es Grenzen, ökonomische Gesetze, die beachtet werden wollen. Und wenn Politik, Wissenschaft oder Geschichte romantisiert wird, kann das kein Weg sein.
Ich will kritisieren. Zum einen, dass es zu viele von uns „Romantikern“ gibt. Wir wurden groß in einer Gesellschaft, die sich nach Stagnation sehnte. Die Angst vor dem Fortschritt hatte, weil das im nationalen Geflecht für Deutschland Rückschritt hieß. In einer Gesellschaft, in der Interesse am Neuen zwar in der Schule gefordert, im Leben selbst jedoch nicht gefördert wurde. Denn alles ist schon entdeckt. Die Wunder der Welt sind entzaubert. Kein Wunder, dass sich unsere Generation auf andere, unerschließbare Wunder beschränkte.
Aber da auch hier im Positiven schon alles verkostet, wurden aus fehlendem Antrieb Psychiater besucht, neue Krankheiten erfunden und Wunder über Wunder, man hatte ein Ziel. Das Ziel war es zu verkomplizieren, zu romantisieren. Dankeschön, ich bin eine Ausgeburt dieser Generation und bekenne mich zu ihr.
Problem Nummer zwei hängt eng mit dem Wunsch nach Wundern zusammen und wurde hier schon kurz angerissen. Politik, die keine ist, Parteien, die Versprechen machen, die nur ein Wunsch gewordener Traum sein können. Kein Konzept aber ein Weg und Menschen, die sich danach sehnen. Traurig ist nun aber das Feedback des Volkes. Zum Thema Wissenschaft und Relilgion ist nur der Begriff des Kreationismus zu nennen, der die darwinsche Evolutionstheorie abschreibt und doch wieder Gott als absoluten Schöpfer propagiert. Das Ganze soll dann ernsthaft alles in den letzten 10.000 Jahren entstanden sein.
Es gibt immer Menschen, die Tatsachen und Fakten nicht wahrhaben wollen, bei denen das Bild der Erde schief hängt, aber es geht für mich zu weit, wenn die Partei in Landtäge einzieht, wenn die Mehrzahl der US-Amerikanischen Bevölkerung einen Dualen Religionsunterricht befürwortet.
Träumen ist die eine Sache, doch die Realität erkennen eine andere, wichtigere. Genau das fehlt aber unserer Gesellschaft. Sie begibt sich zur Romantik 2.1. 2.1, weil sie Extremer ist, weil ein Großteil Wahrheit nicht mehr als Gut sieht, welches sich anzueignen lohnt, weil es doch schon alles bewiesen ist. Weil es alles unveränderlich ist, wenn man nach Fakten strebt. Da doch lieber die Lüge des Aufregenden, Neuen. Lotto spielen um reich zu werden, zum Kreationismus konvertieren, Links wählen und warten. Ist doch sowieso alles schon einmal gemacht und erfahren worden. Schade, dass all diese Menschen die Romantik nicht verstehen, weil es immer um die Transzendenz des Einzelnen ging. Etwas Neues für sich zu entdecken und nicht für die Gesamtheit.

Aktuelles:

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Wörterwolke

Mitmach-Aktion gegen Alkohol

Mitmach-Aktion gegen Alkohol

Status

Online seit 7303 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2010/02/18 21:09

Web Counter

kostenlose counter

Suche

 


20 Sekunden für...
Account
Computer und so
DAS ist leben
Fun
gedanklicher Dünnschiss
Gedichte
Im Moment
Impressionen
Job
Lyriks
Videos
Zitate
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren